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Leopold Figl und das Jahr 1945

Helmut Wohnout

  Jahrbuch Demokratie und Geschichte

 Erscheint am 30. April 2015.

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75 Jahre Rosenkranzfest


 

Jahrbuch

Jahrbuch Demokratie und Geschichte

Opferdatenbank

Mit der online abrufbaren Opferdatenbank, entstanden aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und des Karl von Vogelsang-Instituts, werden die Namen von rund 8.000 getöteten Männern und Frauen, die während der NS-Zeit zu Opfern der politischen Verfolgung wurden, erstmals dokumentiert und der Forschung zugänglich gemacht. Weiterlesen>>

Leopold Figl - Für Österreich

 
 

Karl von Vogelsang Staatspreis 2016
Der alle zwei Jahre vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung vergebene Karl von Vogelsang-Staatspreis wurde am 4. März 2016 an Prof. Adam Kozuchowski für dessen Werk „The Afterlife of Austria-Hungary: The Image of the Habsburg Monarchy in Interwar Europe“ verliehen. Damit erhielt erstmals in der über 35jährigen Geschichte des Preises ein polnischer Historiker den Hauptpreis des Vogelsang-Staatspreises.

In seiner Laudatio hob James Shedel, Georgetown University, die Verdienste Kozuchowskis hervor: „Seit dem Untergang Österreich-Ungarns im Jahr 1918 haben Historiker mit so unterschiedlicher Herangehensweise wie Josef Redlich, A.J.P. Taylor und Carl Schorske versucht, die Habsburger Monarchie und ihre Institutionen in ihrer Bedeutung für unsere Aufmerksamkeit zu schärfen. Somit haben sie einen umfassenden Blick auf den multiethnischen Anachronismus ermöglicht, der diesen Nationalstaat zwar als gescheiterten, aber ernstzunehmenden Versuch zum Zusammenleben der Nationalitäten ansieht. Elegische Nostalgie im Hinblick auf die geordnete gesellschaftliche Struktur, die reichen kulturellen Errungenschaften und den Herrscher Franz Joseph, der über alles wachte, waren auch Kennzeichen der historischen Betrachtung über die Signifikanz dieses verschollenen Staates.


Obgleich sich die heutige Sicht auf Österreich-Ungarn durch ein eher positiv gestimmtes Interesse der Historiker auszeichnet, und nicht mehr nur immerfort auf den Untergang des Reiches, sondern auf seinen Aufstieg und seine Fortdauer bis 1918 verweist, so ermöglicht doch gerade die Vielfältigkeit der Interpretationen durch amerikanische und andere Historiker, die zuerst das Problem angingen, wie die Geschichte Österreich-Ungarns gerade im Nachgang des Untergangs zu deuten sei, die Grundlegung eines Fundaments einer neuen Historiographie zum Habsburger Reich. Die Verdienste von Adam Kozuchowski, dem Historiker, den wir heute Abend mit dem Vogelsang-Preis ehren wollen, sind gerade darin angelegt, dass er uns verdeutlicht hat, wie Historiker und selbst literarische Zeitgenossen wie Hugo von Hofmannsthal und Joseph Roth ein Interpretationsgebäude zu Österreich-Ungarn konstruiert haben, das auch nach dem Tod 1918 ein lebendiges Dasein des Reiches sichergestellt hat. Daher wird sein Werk ‚The Afterlife of Austria-Hungary: The Image of the Habsburg Monarchy in Interwar Europe‘ den Historikern wie auch der Öffentlichkeit als unverzichtbarer Wegweiser zur Erklärung dienen, wie und warum ein Staat, der von der Landkarte Europa verschwunden ist, heute immer noch so einen zentralen Platz in unseren Vorstellungen und Empfindungen einnimmt.“

Den diesjährigen Förderpreis erhielt der Historiker Richard Lein für seine aus seiner Dissertation hervorgegangene Monographie „Pflichterfüllung oder Hochverrat? Die tschechischen Soldaten Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg“. In seiner Laudatio führte der Geschäftsführer des Karl von Vogelsang-Instituts, Helmut Wohnout, unter anderem aus: „Die Untersuchung Leins kreist um ein Klischeebild, das sich hartnäckig in der Öffentlichkeit, aber auch in der historisch-wissenschaftlichen Literatur über fast ein Jahrhundert gehalten hat. Es geht um die zum Stereotyp gewordene Behauptung, wonach sich die tschechischen Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee in vielen Fällen ungehorsam verhalten und sich im Kampfeinsatz als unzuverlässig erwiesen hätten. Der Vorwurf gipfelte darin, dass sie sich nicht an ihren Fahneneid gehalten hätten, ja in einzelnen Gefechten im großen Stil zu Einheiten der ihnen gegenüberstehenden „Tschechoslowakischen Brigade“ übergelaufen seien. Lein falsifiziert dieses Klischeebild, indem er an Hand seiner intensiven Primärquellenstudien in österreichischen wie tschechischen Archiven aufzeigt, dass ein solcher Befund militärhistorisch schlicht und einfach unzutreffend ist. Darüber hinaus geht er der Entstehungsgeschichte und der politischen Instrumentalisierung dieses Mythos nach. Er stellt die Frage, wem er nutzte und weshalb er über Jahrzehnte – praktisch unwidersprochen – tradiert werden konnte. […] Es ist das Verdienst Richard Leins dieses ‚hundertjährige historische Vorurteil‘ nachhaltig und primärquellenbasiert widerlegt zu haben. Seine Arbeit ist sowohl von der deutschsprachigen Scientific Community wie auch von der tschechischen Forschung aufmerksam rezipiert worden, wenngleich er sich anfangs damit, wie dies bei der Widerlegung von Klischeebildern vorkommt, nicht nur Freunde gemacht hat. […] In einer Besprechung schreibt der Salzburger Ordinarius für Österreichische Geschichte, Laurence Cole, dass Leins Buch unverzichtbar für die Militärgeschichte der österreichisch-ungarischen Armee und das Ende der Habsburgermonarchie ist und fügt hinzu: ‚Lein hat hiermit eine exemplarische, wichtige Arbeit vorgelegt.‘ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.“

Rund 150 Besucherinnen und Besucher wohnten der Staatspreisverleihung im Palais Harrach bei und ließen den offiziellen Teil bei einem Glas Wein und einem kleinen Buffet ausklingen.
 

vL:Gerhard Pfeisinger, Staatspreisträger, Adam Kozuchowski, Förderpreisträger Richard Lein, Helmut Wohnout, James Shedel

Staatspreisträger Adam Kozuchowski
 
Förderpreisträger Richard Lein
 

VL.: Jurymitglieder: Michaela Maier, Richard Saage, James Shedel, Peter Vodopivec und Staatspreisträger Adam Kozuchowski

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
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