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Forschungsprojekt


"Zur Repräsentanz von Politikern mit NS-Vergangenheit in der Österreichischen Volkspartei 1945-1980“

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Leopold Figl und das Jahr 1945

Helmut Wohnout

  Jahrbuch Demokratie und Geschichte

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75 Jahre Rosenkranzfest


 

Jahrbuch

Jahrbuch Demokratie und Geschichte

Opferdatenbank

Mit der online abrufbaren Opferdatenbank, entstanden aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und des Karl von Vogelsang-Instituts, werden die Namen von rund 8.000 getöteten Männern und Frauen, die während der NS-Zeit zu Opfern der politischen Verfolgung wurden, erstmals dokumentiert und der Forschung zugänglich gemacht. Weiterlesen>>

Leopold Figl - Für Österreich

 
 

Kranzniederlegung Am Spiegelgrund, 6. Mai 2018
Anlässlich des Gedenkens der Befreiung vom Nationalsozialismus in Österreich vor 73 Jahren legte das offizielle Österreich am heutigen „Otto Wagner-Spital"  (Baumgartner Höhe) ein Bekenntnis zur jüngeren Geschichte ab. Die Gedenkveranstaltung am Sonntag, 6. Mai 2018 sollte an die Ermordung von nahezu 1.000 jungen Menschen und Kindern erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms und der „Vernichtung unwerten Lebens" wurden. Zwei Bundesminister, Mag. Gernot Blümel und Dr. Juliane Bogner-Strauß legten Kränze nieder und verliehen so dem Gedenken an die Opfer der Kindereuthanasie am Spiegelgrund eine besondere Bedeutung seitens der Republik Österreich. 
Der Geschäftsführer des Karl von Vogelsang-Instituts, Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout hielt eine historische Einführung, im Zuge derer er sagte „(...) Von 1940 bis 1945 bestand in einem Teil der Pavillons auf dem Gelände der Baumgartner Höhe, die von den Nazis euphemistisch sogenannte „Jugendfürsorgeanstalt" Am Spiegelgrund. Entsprechend der menschenverachtenden rassenhygienischen Ideologie des Nationalsozialismus wurde sie zu einem Labor des Mordens, in dem junge Menschen einen grausamen Tod sterben mussten. (...) Die hier begangenen Verbrechen waren Teil des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms. Es wurde unter dem Tarnnamen „Aktion T4" geführt und im Oktober 1939 mit folgendem menschenverachtenden Befehl Adolf Hitlers aufgenommen – ich zitiere: „Nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken [soll] bei kritischer Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden".
 
Die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes „euthanasía" lautet „leichter Tod". Doch tatsächlich stand dahinter die Wahnvorstellung, die vom NS-Regime als „erbkrank" definierten Menschen zu ermorden, unterschied doch die nationalsozialistische Rassenlehre zwischen „höherwertigem" und „minderwertigem" Leben. Während „erbgesunder" Nachwuchs gefördert wurde, sollte sogenanntes „lebensunwertes Leben" ausgelöscht werden. Bis August 1941 kamen auf diese Weise 70.000 Menschen ums Leben. In Österreich wurde die Tötungsanstalt im oberösterreichischen Hartheim zum Synonym für dieses Verbrechen. Die dabei erstmals zur Anwendung gelangte industrielle Tötung von Menschen durch Gas fand ihre schreckliche Fortsetzung in der Shoah. Nach Hartheim waren auch mehr als 3.000 Patienten der psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof deportiert worden, in deren Pavillons 1940 die Anstalt Am Spiegelgrund eingerichtet wurde.
 
Nach Protesten, unter anderem auch von Kirchenvertretern, wurde im August 1941 die zentral gelenkte Ermordung psychisch Kranker und Behinderter zurückgefahren. Die systematische Ermordung von Kindern zum Zweck rassenhygienischer Forschungen wurde allerdings weitergeführt. Bis 1945 forderte die Kindereuthanasie im gesamten nationalsozialistischen Herrschaftsbereich etwa 5.000 Opfer. Der Spiegelgrund bildete einen zentralen Bestandteil dieses Verbrechens der Nationalsozialisten. (...) Für zumindest 789 – tatsächlich wohl mehr – Kinder und junge Menschenwurde der Spiegelgrund zuerst zur Hölle auf Erden und dann zur Stätte ihrer grausamen Ermordung. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hat im vergangenen Jahr eine couragierte Predigt des St. Pöltener Diözesanbischofs Michael Memelauer vom Silvester 1941 entdeckt und publiziert. In einer Zeit, in der das Koordinatensystem der Mitmenschlichkeit vielfach außer Kraft gesetzt zu sein schien, hat der Bischof für uns heute – hoffentlich – Selbstverständliches auf den Punkt gebracht, indem er sagte: ‚Auch der Unglückliche, dessen Sinne verwirrt sind, auch das Kind, das behindert auf die Welt kommt, auch der Kranke und Sieche und vom Alter Gebrochene hat ein Recht auf das Leben [...] und verdient die Umsorge und Liebe der Umwelt'".
 
 
 

 
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