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100. Geburtstag von Josef Klaus

Anlässlich des 100. Geburtstags von Josef Klaus :
von KvVI -GF Dr. Helmut Wohnout erschienen in der Furche Nr . 32/2010

Jahrbuch

Jahrbuch Demokratie und Geschichte
Julius Raab

Geb. 29. November 1891 in St. Pölten (NÖ)
Gest. 8. Jänner 1964 in Wien, Baumeister und Politiker

Der Sohn eines Baumeisters besuchte das Stiftsgymnasium Seitenstetten, danach studierte er Hochbau an der Technischen Hochschule in Wien, wo er auch dem Cartellverband (CV) beitrat. Im Ersten Weltkrieg diente er bis 1918 an der Südfront und setzte nach dem Krieg sein Studium fort, trat aber gleichzeitig in die väterliche Firma ein. Daneben wurde Raab politisch aktiv und zog 1927 für die Christlichsozialen in den Nationalrat ein. In der Heimwehr stieg Raab rasch zum nö. Landesführer auf. Nach der innenpolitischen Radikalisierung trat er aber als Landesleiter zurück und konzentrierte sich nunmehr auf den Aufbau der neuen Handelskammer. Im Februar 1938 ernannte ihn Bundeskanzler Schuschnigg für wenige Wochen zum Handelsminister. Von den Nationalsozialisten nach dem „Anschuss“ in NÖ mit Berufsverbot belegt, kam Raab in Wien in einer Baufirma unter, wo später dann auch Leopold Figl Arbeit fand.

Unmittelbar nach Kriegsende 1945 engagierte sich Raab neuerlich politisch, war Mitbegründer der Österreichischen Volkspartei und gründete den Wirtschaftsbund. Als Präsident der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft trug er ab 1947 gemeinsam mit dem ÖGB-Präsidenten Johann Böhm wesentlich zur Etablierung der Sozialpartnerschaft bei.
1953 schließlich löste er Figl als Bundeskanzler ab und stellte wirtschaftspolitisch mit Finanzminister Reinhard Kamitz entscheidende Weichen für den Wiederaufbau und Wohlstand Österreichs. Den ins Stocken geratenen Staatsvertragsverhandlungen gab er neuen Schwung, indem er den Gedanken einer militärischen Neutralität ins Spiel brachte. Nach der Rückkehr von der entscheidenden Verhandlung in Moskau konnte Raab im April 1955 den Durchbruch bekannt geben. Ein Monat danach wurde der Staatsvertrag in Wien unterzeichnet.

Nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler 1961 übernahm Raab erneut die Präsidentschaft der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, zog aber über längere Zeit weiterhin in der ÖVP alle politischen Fäden. 1963 fand sich der schon schwerkranke Raab bereit, für seine Partei als Bundespräsidentschaftskandidat in den Wahlkampf zu ziehen.