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Forschungsprojekt


"Zur Repräsentanz von Politikern mit NS-Vergangenheit in der Österreichischen Volkspartei 1945-1980“

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200. Geburtstag Karl von Vogelsang


Anlässlich des 200. Geburtstag von Karl von Vogelsang am 03. September erscheint am 30.08.2018 in der "Furche" ein Artikel über Karl von Vogelsang, verfasst von KVVI-Geschäftsführer Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout.

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Leopold Figl und das Jahr 1945

Helmut Wohnout

  Jahrbuch Demokratie und Geschichte

Weitere Informationen

75 Jahre Rosenkranzfest


 

Jahrbuch

Jahrbuch Demokratie und Geschichte

Opferdatenbank

Mit der online abrufbaren Opferdatenbank, entstanden aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) und des Karl von Vogelsang-Instituts, werden die Namen von rund 8.000 getöteten Männern und Frauen, die während der NS-Zeit zu Opfern der politischen Verfolgung wurden, erstmals dokumentiert und der Forschung zugänglich gemacht. Weiterlesen>>

Leopold Figl - Für Österreich

 
 

75 Jahre Rosenkranzfest
Im Wiener Stephansdom fand am 7. Oktober 2013 (zur Einladung ) aus Anlass der 75. Wiederkehr des Rosenkranzfestes 1938 und der sich daran anschließenden Demonstration tausender katholischer Jugendlicher gegen das NS-Regime ein Gedenkgottes- dienst mit Kardinal Schönborn und eine wissenschaftliche Enquete statt. In seiner historischen Einleitung steckte der Geschäftsführer des Karl von Vogelsang-Instituts, Helmut Wohnout, den historischen Rahmen des Ereignisses von vor 75 Jahren ab.
Unter anderem führte er aus: „Versuchen wir eingangs kurz, den 7. Oktober 1938 in einen größeren historischen Kontext zu stellen: Nur wenige Tage zuvor, am 30. September 1938 hatten die europäischen Großmächte, England, Frankreich, Italien und das Deutsche Reich das sogenannte Münchner Abkommen unterzeichnet. Eine monatelange Krise hatte mit einem diplomatischen Triumph des nationalsozialistischen Deutschland geendet. Die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei wurden dem Deutschen Reich angegliedert. Hitler hatte sich gegenüber den Westmächten durchgesetzt. Das nationalsozialistische Deutschland stand am vorläufigen Höhepunkt seiner Macht.

Es war keine gute Zeit für Oppositionelle, im Gegenteil. Hitler war im Kreis der Staatsführer anerkannt wie noch nie zuvor während seiner Kanzlerschaft und es war opportun, sich darauf einzustellen, dass der Anschluss und die NS-Herrschaft ein Definitivum darstellen würde. Viele meinten, es sei klug, sich zu arrangieren. Und diejenigen, die anderer Meinung waren, behielten diese besser für sich.

Und dann plötzlich, der 7. Oktober 1938: Tausende junge Menschen strömten aus allen Himmelsrichtungen kommend in den Dom. Was sie einte, war ihr katholischer Glaube. Nicht die brutalen Thesen des germanischen Neuheidentums und der NS-Ideologie entsprachen ihrem Denken und Fühlen, sondern die Gebote der christlichen Menschen- und Nächstenliebe. Wider alle Opportunität verweigerten sie sich der Doktrin des Herrenmenschen und jenes Rassenwahns, der nur wenige Wochen später im blutigen Novemberpogrom gegenüber der jüdischen Bevölkerung seine Gewaltbereitschaft, seine Zerstörungswut und Menschenverachtung offen und im großen Stil zur Schau stellen sollte.

Aber es war neben ihrem Glauben noch etwas anderes, das die jungen Gläubigen auf den Stephansplatz trieb: eine Sehnsucht nach Heimat, nach ihrer Heimat. Und als diese Heimat konnten und wollten sie nicht das Großdeutsche Reich empfinden, von dem aus ihnen seit einem halben Jahr vorexerziert wurde, dass sie nun im Kollektiv einer imaginierten Deutschen Volksgemeinschaft aufzugehen hätten.
Das Karl von Vogelsang-Institut hat in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen eines breit angelegten Oral-history Zeitzeugenprojekts mit den wenigen noch lebenden Teilnehmern der Andacht und der Kundgebung danach deren Motive und Beweggründe erforscht. Dabei wurde eines deutlich. Es war für fast alle neben ihrem Bekenntnis zum Glauben auch ein Bekenntnis zu Österreich, das sie zu ihrem Weg in den Dom zu St. Stepan motivierte.

Im kleineren Umfang hatte es schon in den Jahren 1935 und 1936 in Münster Kundgebungen von katholischen Jugendlichen mit Bischof Galen gegeben, die sich gegen die NS-Herrschaft gerichtet hatten. Aber was das Ausmaß und die zahlenmäßige Dimension des Bekenntnisses vom 7. Oktober betrifft, so bleibt die spontane Kundgebung auf dem Stephansplatz die größte oppositionelle Demonstration gegen den Nationalsozialismus, die während der 12jährigen Geschichte des Dritten Reiches je stattgefunden hatte. Mehr noch, sie wurde im Selbstverständnis ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Ausgangspunkt eines neuen Österreichbewusstseins. Der Dom zu St. Stephan wurde mit dem 7. Oktober 1938, wie Hannes Schönner in der Begleitpublikation zum heutigen Abend schreibt, zu einem Symbol des österreichischen Widerstandes. Zu Recht erinnert bis zum heutigen Tag  das an der Außenmauer des Doms eingeritzte 05 an die Opfer von Verfolgung und Widerstand gegen das nationalsozialistische Unrecht in Österreich.“

Im Rahmen der Enquete wurde auch die vom Karl von Vogelsang-Institut herausgegebene Begleitpublikation „75 Jahre Rosenkranzfest. Christenverfolgung – gestern und heute“ präsentiert. (Hier zum Download )
 


Das Podium bei der Enquete: v.l.n.r. Erzabt Dr. Korbinian Birnbacher, em. Univ.-Prof. Dr. Maximilian Liebmann, Zeitzeugin Johanna Paradeiser, GF Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout, Dr. Gudrun Kugler und Dr. Elmar Kuhn
 
GF Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout beleuchtete die historischen Hintergründe der Rosenkranzfeier im Oktober 1938
 

 Zeitzeugin des 7. Oktober 1938: Johanna Paradeiser
 

em. Univ.-Prof. Dr. Maximilian Liebmann
 
 
Unterstützt durch:
 

 
 
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Neuerscheinung

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